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Montag, den 01. Februar 2010 um 08:18 Uhr
Solidaritätserklärung mit den streikenden
TEKEL-Arbeiterinnen und Arbeitern
und ihren Familien in der Türkei !

Seit 15. Dezember 2009 streiken 12. 000 ArbeiterInnen und Mitglieder der Gewerkschaft
Tekgida-Is in Ankara gegen Privatisierung und Verschlechterung ihrer
Arbeitsbedingungen. Die Polizei riegelte ab dem dritten Tag des Arbeitskampfes in
Ankara den Versammlungspark ab und setzte Wasserwerfer mit städtischem Abwasser,
Pfeffer-Tränengas und Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein. Die TEKELStreikenden
haben weder Tarifverträge noch ein Streikrecht und erhalten keinerlei
Streikgeld. Dennoch dauert der Streik bereits 46 Tage (am 30.1.10); die Streikenden
sind, zum Teil mit ihren Familien, bei eisiger Kälte zu Tausenden nach Ankara
gekommen, viele wohnen in Zelten. Der Streik schweißt sie zusammen, religiöse und
kulturelle Differenzen wie die zwischen Türken und Kurden sind unwichtig geworden. Sie
protestieren, unterstützt von anderen Gewerkschaften und vielen anderen städtischen
und staatlichen Angestellten, Schülern und Studenten, Kleinhändlern und Arbeitern, und
inzwischen auch vom Gewerkschaftsdachverband Türk Is, der auch international dazu
aufrief Solidarität vor Ort zu zeigen. Eine Frau aus Stuttgart flog zusammen mit einer
Delegation hin, um den Kampf zu unterstützen; sie wurde mit überwältigender
Begeisterung empfangen.
Am 17. Januar fand eine Demonstration von bis zu 100.000 Teilnehmern statt, die sich
zugleich für einen gesetzlichen Mindestlohn, gegen prekäre Beschäftigung, für das
Verbot von Leiharbeit, für eine kostenfreie Gesundheitsversorgung und für die
Abschaffung von Studiengebühren einsetzten. Am 26.1. war ein Generalstreik angesetzt.
Eine Reihe von Beschäftigten ist in den Hungerstreik getreten.
TEKEL, das sind die bisher staatlichen Monopolbetriebe der Tabak- und Alkoholindustrie
in der Türkei. Unter dem Druck der Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF)
von 2008 hat die Regierung 40 Betriebe an die British American Tobacco verkauft und
sieht dafür massenhaft Entlassungen und Personalverlagerung vor. Ende Januar 2010
sind 12 000 Arbeitsplätze gefährdet. Dann soll das von der türkischen Regierung 2004
verabschiedete Gesetz Nr. 657, § 4, Absatz C, der sogenannte 4/C-Erlass durchgesetzt
werden: demnach soll der willkürlichen Einsatz der Arbeiter in allen Betrieben des
Landes, die Halbierung der Löhne (von jetzt 1200 auf 630 Lira), Zehnmonate-Arbeit im
Jahr mit einem zweimonatigem Zwangsurlaub ohne Überbrückungsgeld sowie der
Streichung praktisch aller sozialen und politischen Errungenschaften umgesetzt werden,
ohne das Anrecht auf einen einzigen arbeitsfreien Tag im Monat, ohne tägliche
Arbeitszeitbegrenzung und praktisch ohne jeden Kündigungsschutz, ohne geringste
„Abfindungsregelung“ sowie das Anrecht auf ein wenig Arbeitslosengeld. Damit
entfallen auch die geringen Möglichkeiten für einen Rechtsschutz. Das Recht auf
gewerkschaftliche Organisierung soll nur Vollzeitarbeitern gewährt werden, was sie
jedoch dann nach dem Willen der Gesetzgeber nicht mehr sind- ein wahrer
Horrorkatalog!! 21.676 Arbeiterinnen und Arbeiter mit ihren Familien sind davon direkt
betroffen.
„Lieber sterben als aufgeben", war eine Parole der Demonstranten. Sie drückt ihre
ganze Entschlossenheit aus – mit Recht, denn hier zeigt sich das brutale Gesicht des
Kapitalismus, der den Menschen keinerlei Zukunft bietet und wo nur die
Profitmaximierung zählt. Der gemeinsame erbitterte Kampf der staatlichen TEKELBeschäftigten
gegen die Maßnahmen der Privatisierung, Entlassungen und Zerstörung
sozialer Errungenschaften, ihre Entschiedenheit, ihr Durchhaltevermögen und
Zusammenhalt sind ein Zeichen für die Welt, den Kampf zu führen und nicht zu
resignieren. Aus den großen Medien erfährt man nichts über diesen Arbeitskampf, daher
ist es wichtig, ihn von uns aus zu verbreiten. Unsere Solidarität ist ihnen sicher.
Auch in Stuttgart wird die internationale Solidarität organisiert. Erste Veranstaltungen
wurden durchgeführt, ein Solidaritätskomitee mit dem Streik der TEKEL-Belegschaft
gegründet und erste Spendensammlungen durchgeführt.
Schreibt Protestmails und –faxe an:
Tayyip Erdogan, Ministerpräsident der Türkei,
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , Fax.: 0090-312-417 04 76 und an
Innenministerium der Türkei: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. , mü Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ,
Fax.: 0090-312-418 17 95
Für Solidaritätsbekundungen (Bitte Kopie an: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )
tekgida.org.tr (Tekgida-is), www.disk.org.tr (Konföderation der Gewerkschaften
revolutionärer Arbeiter), www.kesk.org.tr (Konföderation der Gewerkschaften von
Beschäftigten im öffentlichen Dienst), tmmob.org.tr (Vereinigung der Kammer türkischer
Ingenieure und Architekten), ttb.org.tr (Vereinigung türkischer Ärzte),
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Spendet als Ausdruck praktischer Solidarität: Solidarität- International-Spendenkonto
Nr. 6100 800 584 bei der Frankfurter Volksbank, BLZ 501900 00, Stichwort TEKEL. Das
Geld wird überwiesen an das COMMITTEE IN SOLIDARITY WITH STRUGGLE OF
TEKEL/ TEKEL DİRENİİYLE DAYANIMA KOMİTESİ
Kommt und unterstützt die geplanten Solidaritätsaktionen:
 1.2. 2010: Montagsdemo gegen Hartz 4, Schlossplatz, 18 30
 2.2. IG Metall Kundgebung um 13.00 Uhr bei Behr in Feuerbach, Mauserstr. 3
BEHR will in Stuttgart, Kirchberg und Kornwestheim mehr als 750 Stellen
abbauen. Kampf um den Erhalt aller Arbeitsplätze und um unsere Existenz,
auch in Stuttgart
 2.2. UPS in Ditzingen, Protestkundgebung, 16:30 Uhr
 3.2. Presseerklärung des Solidaritätskomitees, Schlossplatz, 17 30
 4.2. Streikversammlung von Ver.di und Kungebung, DGB-Haus, 9:00 Uhr
 4.2. Offenes Treffen des Stuttgarter Solidaritätskomitees, EKM, Nordbahnhofstr. 61
Unterstützt, verbreitet und unterschreibt diesen Aufruf! Bisherige Unterzeichner:
Bir-Kar ( Plattform der Einheit der Arbeiter und der Brüderlichkeit der Völker/Stuttgart),
AGIF (Föderation der ArbeitsimmigrantenInnen aus der Türkei/Stuttgart), ATIF
(Föderation der Arbeiter aus der Türkei), IBS (Internationale Begegnungsstätte), Dersim
Initiativi, Stuttgart, Linke, Kreisverband Stuttgart, MLPD Kreisverband Stuttgart, Tohum-
ATIF (Kulturverein Tohum-ATIF), Solidarität International Stuttgart; Solidaritätskomitee
für die streikenden TEKEL-Belegschaft.
ViSdP und Kontaktadresse:
Elsbeth Sureau,Landhausstr. 51, 70190 Stuttgart, Tel. 0711-26 41 13, FAX 0711- 30 00
591; Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.